Montag, 06.09.2010   

Auge und Diabetes

Beschwerden und Symptome

In den frühen Stadien der diabetischen Retinopathie werden oft keinerlei Symptome bemerkt. Sogar das Sehvermögen scheint unverändert, obwohl die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Meist bemerken die Betroffenen eine Verschlechterung wie verschwommenes oder verzerrtes Sehen, blinde Flecken oder nächtliche Sehschwierigkeiten erst, wenn der Diabetes die Sehzellen in der Netzhautmitte schädigt. Bei einer Glaskörperblutung werden sogenannte Rußwolken oder dunkle Flecken bis hin zum vollen Sehverlust beobachtet.

Früherkennung

Sind Sie Diabetiker, sollten Sie, auch wenn keine Sehbeschwerden vorliegen, schon zu Beginn Ihrer Erkrankung einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt vereinbaren. Empfohlen wird danach mindestens einmal jährlich eine Kontrolluntersuchung. Sind bei Ihnen bereits Veränderungen im Sinne einer diabetischen Retinopathie entstanden, müssen Sie in kürzeren Abständen (alle drei bis sechs Monate) augenärztlich untersucht werden.

|Blutzucker messen|
Halten Sie Ihren Blutzucker im Gleis: Eine stabile Blutzuckereinstellung ist die beste Vorsorge gegen die diabetische Retinopathie.

Bei der augenärztlichen Untersuchung kann der Arzt im Augenhintergrund anhand einer Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) Gefäßveränderungen, kleine Blutungen und herdförmige Fettablagerungen an der Netzhaut erkennen und so die Diagnose stellen. Liegt eine diabetische Retinopathie vor, wird dem Patienten ein Farbstoff (Fluoreszein) in eine Armoder Handvene gespritzt, der die krankhaften Gefäße sichtbar macht. Anschließend werden in schneller Folge Fotoaufnahmen angefertigt um festzustellen, wo Flüssigkeit aus Netzhautgefäßen austritt oder ob kleinste Gefäßverschlüsse oder -wucherungen vorliegen. Die optische Kohärenztomographie (OCT), ein noch relativ neues Verfahren, zeigt eine komplette Querschnittsansicht der Netzhautstruktur anhand einer Vielzahl von Schnittbildern. Dieses Verfahren eignet sich besonders gut zum Nachweis und zur Verlaufsbeurteilung des diabetischen Makulaödems.

Was Sie selbst tun können

Neben der regelmäßigen Augenkontrolle durch Ihren Augenarzt sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Ihr Blutzucker dauerhaft im Normbereich und Ihr Blutdruck optimal eingestellt ist. Das sind die beiden wesentlichen Voraussetzungen dafür, das Entstehen bzw. das Fortschreiten einer diabetischen Retinopathie zu verhindern. Ergänzend sollten Sie auf eine regelmäßige und ausgeglichene Ernährung achten, körperlich aktiv sein und das Rauchen unbedingt vermeiden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Der Verlust der Sehleistung kann nur verhindert werden, wenn die diabetische Retinopathie frühzeitig erkannt und rechtzeitig behandelt wird. Zur Behandlung stehen je nach Stadium verschiedene Ansätze zur Verfügung. Voraussetzung für alle Therapien ist jedoch, dass die diabetische Grunderkrankung richtig und konsequent behandelt wird.

|Lasertherapie|
Die Laserbehandlung erfolgt in Oberflächenbetäubung des Auges und ist in der Regel schmerzfrei.

Netzhaut-Lasertherapie

Die Laserbehandlung kommt zum Einsatz, wenn Veränderungen der Makula (Makulaödem) auftreten oder wenn sich neue Blutgefäße im Auge (proliferative diabetische Retinopathie) bilden. Ein stark gebündelter Lichtstrahl zielt auf die Netzhaut, um die neu gebildeten Gefäße schrumpfen zu lassen. Im Falle eines Makulaödems wird der Laser dazu benutzt, die lecken Blutgefäße zu veröden.

Injektionstherapien

Vor allem beim Makulaödem haben sich Medikamente bewährt, die in den Glaskörper injiziert werden, um eine Abschwellung zu bewirken und dadurch die Sehfähigkeit zu verbessern. Hierzu eignen sich verschiedene Präparate (Lucentis®, Avastin®, Macugen®), die bereits für die sogenannte feuchte Form der altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) erfolgreich eingesetzt werden. Alle drei Medikamente sind bislang für das Makulaödem nicht offiziell zugelassen und werden als „Off-Label-Use“ eingesetzt. Die Zulassung für Lucentis® wird Ende 2011 erwartet. Auch Pfizer strebt mit der Substanz Macugen® die Zulassung für das Diabetische Makulaödem an.

Alternativ besteht die Möglichkeit, Kortison in das Auge zu spritzen, welches auf ein Makulaödem akut abschwellend wirkt. Allerdings müssen zusätzliche Nebenwirkungen wie häufige Augendruckanstiege und Förderung einer Linsentrübung (grauer Star), in Kauf genommen werden.

Operative Verfahren

Sollte die Erkrankung trotz der Laser- oder Injektionstherapie fortschreiten, bleibt als letzte Möglichkeit nur noch die Operation. Operative Verfahren werden daher hauptsächlich zur Behandlung schwerer Fälle von proliferativer diabetischer Retinopathie eingesetzt. Ist der Glaskörper durch Einblutungen dauerhaft getrübt, so kann er bei der sogenannten Vitrektomie operativ entfernt werden. Anschließend wird der entstandene Hohlraum entweder mit verschiedenen Gasgemischen oder mit Silikonöl wieder aufgefüllt.

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