Montag, 06.09.2010   

Die altersbedingte Makula-Degeneration

Behandlungsmöglichkeiten

Grundsätzlich gilt: Obwohl die AMD nicht geheilt werden kann, ist es möglich, durch eine frühzeitige Therapie den Krankheitsverlauf zu verzögern oder aufzuhalten und in einigen Fällen sogar die verbliebene Sehkraft zu verbessern.

Zur Behandlung der trockenen Verlaufsform gibt es derzeit jedoch noch keine wirksamen Therapien. Allerdings zeigen Studien5, dass die regelmäßige Einnahme von speziellen Nahrungsergänzungsstoffen (Zink, Antioxidantien) einen schützenden Effekt hat und den Verlauf der Erkrankung möglicherweise verzögert. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt daher, bestimmte Nährstoffe und Vitamine als Prophylaxe einzunehmen. Dagegen ist die feuchte AMD im Frühstadium dank des technischen und medikamentösen Fortschrittes heute gut behandelbar. Zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gehören die Injektion von Medikamenten direkt in das betroffene Auge, verschiedene Lasertherapien sowie chirurgische Verfahren.

Injektion von Medikamenten in das Auge

|Injektion in den Glaskörper des Auges|
Nach örtlicher Betäubung oder Vollnarkose wird mit einer sehr feinen Nadel das Medikament seitlich ins Auge injiziert. Die Injektionen müssen wiederholt werden, da die gespritzte Substanz nach einiger Zeit abgebaut wird.

Medikamente werden mit einer feinen Nadel direkt in den Glaskörper injiziert. Der Eingriff erfolgt ambulant. Das Auge wird örtlich betäubt, so dass der Patient keine Schmerzen hat. Das Prinzip beruht auf der Hemmung des Wachstumsfaktors VEGF, der für die Gefäßneubildungen unter der Netzhaut verantwortlich ist. Die gespritzten Substanzen führen durch eine Abdichtung der Blutgefäße zu einer Rückbildung der Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut und damit auch der krankhaften Gefäße. Der fortschreitende Verlust des Sehvermögens kann aufgehalten und in einigen Fällen die Sehkraft sogar wieder verbessert werden. Derzeit werden drei Substanzen zur Behandlung der feuchten AMD eingesetzt: Lucentis®, Macugen® und Avastin®.

Lucentis® (Wirkstoff: Ranibizumab):

Lucentis® ist ein biotechnisch geschneidertes Antikörperfragment und zeichnet sich durch eine hohe Bindungsfähigkeit an alle in der Netzhaut vorkommenden Formen des Wachstumsfaktors VEGF aus. Seine Wirksamkeit und Sicherheit konnte in über 15 Studien belegt werden: Bei neun von zehn Patienten kommt es zu einer Stabilisierung des Sehvermögens und bei rund 40 Prozent sogar zu einer Verbesserung.

Lucentis® wird zunächst drei Monate lang alle vier Wochen injiziert. Die Weiterbehandlung hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab. Lucentis® ist seit Januar 2007 in Deutschland zur Behandlung der feuchten AMD zugelassen und wurde im Juni 2007 von den Fachgesellschaften als Therapie der ersten Wahl anerkannt.

Macugen® (Wirkstoff: Pegaptanib):

Macugen® bindet nur an eine Form des Wachstumsfaktors VEGF. Bislang konnte die Wirksamkeit von Macugen® über einen Krankheitsverlauf von zwei Jahren nachgewiesen werden. Die Verbesserung der Sehkraft ist im Vergleich zu Lucentis® allerdings weniger stark ausgeprägt. Macugen® wird im Abstand von sechs Wochen ins Auge injiziert und ist in Deutschland seit 2006 zur Behandlung der feuchten AMD zugelassen.

Avastin® (Wirkstoff: Bevacizumab):

Avastin® gehört zu einer ähnlichen Wirkstoffklasse wie Lucentis®. Sein genauer Wirkmechanismus im Auge ist bislang jedoch unbekannt. Avastin® wurde ursprünglich für die Behandlung von Darmkrebs entwickelt, zeigt aber auch eine positive Wirkung bei der feuchten AMD.

Obwohl die Substanz für AMD nicht offiziell zugelassen ist, wird das Medikament aus Kostengründen trotzdem eingesetzt (Off-Label-Use). Im Gegensatz zu Lucentis® und Macugen® liegen jedoch keine statistisch gesicherten klinischen Studien vor, die die Wirksamkeit von Avastin® bei der Behandlung der feuchten AMD eindeutig belegen. Darüber hinaus fehlen Sicherheitsstudien und Untersuchungen zur Dosisfindung. Der Arzt legt deshalb die Dosis nach eigener Einschätzung fest.

Das Paul-Ehrlich-Institut warnt vor einer ungenauen Dosierung sowie vor Verunreinigungen. Diese ergeben sich durch das „Auseinzeln“ von kleineren Portionen aus einer größeren Injektionsflasche. Im Februar 2009 berichtete Roche (Hersteller von Avastin®) in einem so genannten „Rote-Hand-Brief“ über eine Häufung unerwünschter Nebenwirkungen nach Injektion von Avastin® in den Glaskörper des Auges. Zwei kanadische Zentren meldeten schwere Augenentzündungen und Entzündungen der inneren Augenräume. Zu den Symptomen zählen Augenirritationen, Lichtscheu, verschwommenes Sehen und das sogenannte Mückensehen.

Was zahlt die Kasse?

Jeder Kassenpatient hat Anspruch auf eine Behandlung nach dem anerkannten Stand der medizinischen Forschung, d. h. auf die zugelassenen, oft auch teuren Medikamente. Dies gilt auch in der Augenheilkunde und damit für Macugen® und Lucentis®. Krankenkassen dürfen ihren Versicherten die Kostenübernahme für diese Arzneimittel nicht verweigern! Anders bei Arzneimitteln, die „Off-Label“ eingesetzt werden, d. h. bei Arzneimitteln, die für eine bestimmte Krankheit weder klinisch geprüft noch zugelassen sind. Ob die Kosten für eine solche Behandlung durch die Krankenkasse gezahlt werden dürfen, ist juristisch umstritten. Übertragen auf die Kostenerstattung bei feuchter AMD heißt das: grünes Licht für die beiden zugelassenen Arzneimittel Macugen® und Lucentis®. Allerdings sind gelegentlich Zuzahlungen für die Injektion in das Auge erforderlich, die die Krankenkassen nicht immer vollständig erstatten. Darüber hinaus wird das wesentlich kostengünstigere Avastin® eingesetzt, welches allerdings für die Therapie der feuchten AMD nicht zugelassen ist.

Photodynamische Therapie (PDT)

Bei der PDT werden krankhafte Gefäße im Auge mit kaltem Laserlicht zerstört und gleichzeitig gesunde Anteile auf der Netzhaut geschont. Die PDT ist hauptsächlich im frühen Krankheitsstadium wirksam. Allerdings kann der Sehverlust allenfalls verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden. Die PDT wird mehrfach im Abstand von zwei bis drei Monaten wiederholt.

Laserkoagulation

Bei der Laserkoagulation werden Stellen auf der Netzhaut, an denen sich die krankhaften Blutgefäße befinden, mit einem heißen Laserstrahl verödet. Die Methode hat den Nachteil, dass das Sehvermögen im betroffenen Netzhautbereich verloren geht. Diese Behandlungsform ist für Patienten mit feuchter AMD daher nur mäßig geeignet.

Chirurgische Verfahren

Zu den chirurgischen Verfahren zählen die sogenannte Netzhautdrehung mit Verlagerung der Makula, die operative Entfernung der krankhaften Gefäßwucherungen unter der Netzhaut und die Transplantation von Netzhautzellen aus einem gesunden Bereich des Auges in die Makula. Diese Techniken werden derzeit noch klinisch erprobt und sollten daher nur im Notfall, z. B. wenn plötzlich Blutungen unter der Netzhaut oder im Glaskörper auftreten, angewendet werden.

Beachten Sie!

Der Berufsverband der Augenärzte warnt vor wenig effektiven und kostspieligen Behandlungen wie Infusionsbehandlungen, Spritzen hinter das Auge oder die Gabe von Sauerstoff.

   nach oben